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Schwurgericht ordnet im Verfahren wegen versuchten Mordes Unterbringung an




Pressemitteilung 26/17


15.12.2017






OSNABRÜCK. In dem Strafverfahren gegen eine Angeklagte aus Dissen hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück heute das Urteil verkündet. Die inzwischen 42-jährige Angeklagte wurde aufgrund einer psychischen Erkrankung wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen. Die Kammer ordnete die Unterbringung der Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Nach durchgeführter Beweisaufnahme sah es die Kammer als erwiesen an, dass die Angeklagte am 05. Juni 2017 in der Wohnung ihres Ehemannes in Bad Rothenfelde Spanngurte und zwei größere quaderartige Steine mit einem Gewicht von 4 kg und 2,5 kg unter dem Bett versteckt habe. Wie geplant habe sie gegen 05:00 Uhr am Folgetag ihren im Bett schlafenden Mann mit den Spanngurten umwickelt und am Bett befestigt. Danach habe sie die Steine genommen und ihm diese nacheinander mehrfach wuchtig auf den Kopf geworfen, um ihn umzubringen. Sie sei aufgrund einer wahnhaften Vorstellung davon überzeugt gewesen, dass ihr Ehemann sie habe töten wollen. Weil sie von diesem Bedrohungserleben beherrscht worden sei, habe sie die Tat begangen. Hierdurch habe sie der vermeintlichen Tötung durch ihren Ehemann zuvorkommen wollen. Als sich ihr Ehemann schließlich habe befreien können, habe die Angeklagte ihren ursprünglich gefassten Plan aufgegeben. Der Geschädigte habe durch die Steinwürfe mehrere Platzwunden und Hämatome am Kopf und im Gesichtsbereich sowie Platzwunden an den Armen und an den Händen sowie eine Fraktur an der rechten Hand erlitten.

Die Kammer ist - sachverständig beraten - zu der Überzeugung gelangt, dass die Angeklagte aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig gewesen sei. Da im Falle der Schuldunfähigkeit eine Verurteilung ausgeschlossen ist, hat die Kammer die Angeklagte wegen der von ihr begangenen Tat freigesprochen. Gleichzeitig hat das Schwurgericht aber die (unbefristete) Unterbringung der Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet, weil sie für die Allgemeinheit gefährlich sei. Die von ihr begangene Tat, die als sogenannte „Anlasstat" Grundlage der Anordnung der Unterbringung bildet, hat die Kammer als gefährliche Körperverletzung u.a. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung qualifiziert. Ein versuchtes Tötungsdelikt sei der Angeklagten nicht nachzuweisen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Angeklagte freiwillig die weitere Tatausführung aufgegeben habe.

Das heute verkündete Urteil ist noch nicht rechtskräftig.










Dr. Katrin Höcherl
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