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Urteil gegen „filmenden Arzt“ am 16. September 2015 erwartet

Urteil gegen „filmenden Arzt“ am 16. September 2015 erwartet


Pressemitteilung 45/15

10.09.2015




OSNABRÜCK. Die 10. große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück wird in dem

Strafverfahren gegen einen 62-jährigen Allgemeinmediziner aus Osnabrück voraussichtlich

am Mittwoch, dem 16. September 2015 um 11:00 Uhr in Saal 1 ein Urteil verkünden.

Dem angeklagten Arzt wird u.a. vorgeworfen, Kinderpornografie besessen und verbreitet zu

haben sowie diverse Patientinnen heimlich mit einer Kugelschreiberkamera gefilmt zu haben

(vgl. Pressemitteilung Nr. 43/15). Nachdem der Angeklagte bereits ein umfassendes

Geständnis abgelegt und die Kammer diverse Lichtbilder und Videos in Augenschein

genommen hatte, konnte die Beweisaufnahme im heutigen dritten Verhandlungstermin nach

der Vernehmung von Polizeibeamten und Geschädigten abgeschlossen werden.

Anschließend plädierten Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Staatsanwalt sah die

Tatvorwürfe als erwiesen an und forderte für die einzelnen Taten jeweils zwischen zwei und

acht Monaten Freiheitsstrafe. Einerseits sei ein ganz erheblicher Vertrauensbruch

festzustellen, den der Angeklagte gegenüber seinen Patientinnen begangen habe. Zugleich

seien bei der Strafzumessung aber diverse Faktoren zugunsten des Angeklagten zu

berücksichtigen. So sei er umfassend geständig gewesen, habe er sich schon

außergerichtlich um Schadenswiedergutmachung bemüht und habe er aufgrund der Taten

seine Familie, sein soziales Umfeld und seinen Beruf aufgeben müssen. Bei einer

Gesamtwürdigung aller Umstände sei daher die Verhängung einer bewährungsfähigen

Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren tat- und schuldangemessen. Zusätzlich seien ein

Berufsverbot anzuordnen sowie eine Geldauflage von 100.000,- €, die an örtliche

gemeinnützige Einrichtungen zu zahlen sei. Dem Antrag einer bewährungsfähigen Strafe

schloss sich auch die Verteidigung an. Zugleich wies der Verteidiger aber darauf hin, dass

der Angeklagte bereits über 200.000,- € für Schmerzensgeld und Anwaltskosten der

Geschädigten gezahlt habe und bei weiteren Geldauflagen wirtschaftlich ruiniert sei. Der

Angeklagte nutzte das letzte Wort, um sich nochmals für seine Taten zu entschuldigen.

Interessierte Medienvertreter dürfen vor der Urteilsverkündung - ohne vorherige

Anmeldung - für 15 Minuten im Sitzungssaal filmen und fotografieren. Das Gericht darf bei

seinem Einzug gefilmt und fotografiert werden. Abbildungen des Angeklagten und der

Nebenklägerin sind mittels geeigneter technischer Maßnahmen zu anonymisieren ("pixeln").

Bild- und Tonaufnahmen außerhalb des Verhandlungssaales sind nur nach Erteilung einer

Foto- oder Drehgenehmigung durch die Pressesprecher gestattet. Der Pressesprecher des

Landgerichts steht nach der Urteilsverkündung für O-Töne zur Verfügung, ohne dass es

einer Anmeldung bedarf.









Dr. Michael Hune
Richter am Landgericht
- Pressesprecher -
Landgericht Osnabrück

Tel.: 0541 315-1157
E-Mail: LGOS-Pressestelle@justiz.niedersachsen.de






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